Portemonnaie

 

18:00Uhr Bremen/Sandhausen; Kilometerstand: 0km
Freudig strahlend  und noch Muskel zuckend kam ich gerade aus meinem Fitnessstudio. Überall in meinen Muskeln tummelte sich das Blut, nur in meinem  Kopf verstaubten langsam die Adern. So wankte ich wie ein Neandertaler zu meinem Auto. Trotz der staubigen Autobahnen in dem Bereich über meinem Hals gelang es mir, mich daran zu erinnern, dass ich noch meinen Vater anrufen wollte. Daraufhin steckte ich meine Mitgliedskarte ins Portemonnaie, holte mein Handy raus, setzte mich ins Auto und telefonierte. Nach ca.: 15 Minuten fuhr ich dann endlich nach Hause.


18:20Uhr Bremen/Neue Vahr Nord; Kilometerstand: 4km
Vor meiner Wohnungstür herrschte mal wieder Belagerungszustand. Deshalb musste ich, um in meine Wohnung zugelangen, erstmal über 20 Kinder steigen, die wie immer versuchten, mir den Weg zu versperren. Das war gar nicht so einfach. Denn sie fielen über mich her, wie eine Horde Greenpeace-Aktivisten, die in mich einen Robbenschlachter sahen. Nachdem ich fünf Kinder von meinem Bein abschütteln konnte und der Rest von alleine abfiel, drehte ich mich noch mal zu meinem Auto um(ich parkte kurz vor meiner Haustür). Ich musste mitansehen wie dort Kindern Hände haltend um das Auto herumtanzten. Vielleicht fehlte mir immer noch etwas Blut im Kopf.

18:30Uhr Bremen/Neue Vahr Nord/Wohnung; Kilometerstand: 4km
Wie es sich gehört, räumte ich Zuhause erstmal meine Fitnesssachen aus. Na gut, wie es sich für mich gehörte, war das nur das nasse Handtuch. Dieses legte ich aber immerhin liebevoll über die Heizung. Danach erfreute ich mich meines Lebens: Mein Kopf fing wieder an zu denken, mein Mund quatsche mit meinem WG-Mitbewohner, mein Herz träumte von meiner Maus, meinen Verstand vermisste ich ey schon seit längerem und meine Arme und Beine versuchten in der Horizontalen  in jede Richtung zu entkommen. Den Schlaf vor Augen blickte ich mich noch mal um, ob alles, was ich am nächsten Morgen brauche, auch da ist. Mein Werksausweis war da, mein Handy war da (gleich mal Wecker stellen), und mein Portemonnaie, das liegt bestimmt noch in der Sporttasche.

06:20Uhr Bremen/Neue Vahr Nord/Wohnung; Kilometerstand: 4km
Mist wie immer zu spät aufgestanden. Und mein Portemonnaie war nicht in der Sporttasche. Es blieb mir nichts anderes übrig, als schnell mein Frühstück zu trinken und den Rest zu inhalieren. Schließlich kenne ich mich doch. Die Brieftasche liegt bestimmt im Auto. Also lief ich schnell zum Auto und überholte auf den Treppen sogar einen Typen namens Flash. Er meinte zumindest, dass er so heißt, nachdem er nochmal einen kräftigen Schluck aus einer klaren Flasche nahm. Angekommen durchsuchte ich flüchtig mein Auto. (Natürlich ohne Hände, sonst wäre es ja nicht flüchtig).
Doch mein Portemonnaie blieb verschwunden. Sofort schossen mir 2 Gedanken in den Kopf: 1. später haben Hunger; 2. doch nicht Maus hat Geld. Also fuhr ich los.

06:50Uhr Bremen/Sebaldsbrück/DaimlerChrysler; Kilometerstand: 14km
Es war natürlich nichts mehr auf dem Parkplatz frei, was dichter als 500m vom Tor entfernt lag. Doch das war mir egal. Ich kannte es ja nicht anders.

11:40Uhr Bremen/Sebaldsbrück/DaimlerChrysler; Kilometerstand: 14km
Der Hunger brannte in mir. Also erklärte ich meinem Mäuschen die Sachlage und sie hatte natürlich vollstes Verständnis, sah meine Zwangslage und meinen großen Hunger und bot mir direkt ihre Hilfe an: „Klar leihe ich dir 5 €, wenn du mir 10 € wiedergibst“.

15:30 Uhr Bremen/Sebaldsbrück/DaimlerChrysler; Kilometerstand: 14km
Nach der Arbeit fuhren "Maus" und ich vom Parkplatz los in die Innenstadt. Wir wollten noch nach einem Notebook für sie schauen und an sich ein bisschen umherwandern. Wir beschlossen ins Saturn-Parkhaus zu fahren.

16:15 Uhr Bremen/Mitte/Saturn-Parkhaus; Kilometerstand: 30km
Da standen wir nun, genervt von der Arbeit, aber glücklich uns zu haben. "Maus", die meine missliche Lage total verstand bot mir in jedem Geschäft immer höhere Kredite an, die ich aber dankend ablehnte.

18:20 Uhr Bremen/Schwachhausen/bei "Maus"’s Wohnung; Kilometerstand: 41km
Nach dem Einkauf brachte ich sie nach Hause. Ich fühlte mich ein bisschen fertig und blieb deshalb noch etwas bei ihr. Dann entschlossen wir beide, dass ich heute Nacht bei ihr schlafe. Natürlich gab es da ein Problem. Ich hatte keine Sachen bei ihr. Also fuhr ich nochmal nach Hause.
Um die Zeit war bei mir natürlich nur ein Parkplatz frei. Und dieser natürlich nur auf der anderen Seite der Straße. Trotz dem Busgeld im Nacken parkte ich dort ohne vorher das Auto umzudrehen und konnte somit von der Fahrerseite direkt auf dem Gehweg aussteigen. Wo auch einige Passanten versuchten mir den Weg zu versperren.

19:00Uhr Bremen/Neue Vahr Nord/Wohnung; Kilometerstand: 48km
Wie ein Blitz rannte ich wieder nach Hause, war dabei so schnell, dass ich die Tür durchlief. So eine Art Beamen ich bin noch dabei diese Sache zu erforschen. Schnell duschte ich mich, stürzte mich in allen Ecken des Raumes und suchte noch mal mein Portemonnaie (Welches immer noch fehlte).  Doch nirgends war es zu finden.  Von Trauer, Sorge und Angst gedemütigt, trug ich mein Leid meinem Mitbewohner vor. Der daraufhin meinte, dass das nicht so schlimm sei. Er könne mir spielend einen Kredit geben.....
Da viel mir gottseidankein, dass ich noch gar nicht richtig unter den Sitzen nachgeschaut habe. Voller Hoffnung belud ich mich mit meinen Sachen und schleppte mich wie ein Esel zum Auto. Man weiß ja nie, aus so einer Übernachtung können schnell mal 2 Monate werden.
 
20:10Uhr Bremen/Neue Vahr Nord/Wohnung; Kilometerstand: 48km
20:10 öffnete ich dann die Beifahrertür und durchwühlte mein Auto. Man waren dort interessante Sachen. Ich glaube etwas kannte auch meinen Namen.
Die anderen Sachen versuchte ich anhand der Farbe zu katalogisieren. Doch mein Portemonnaie blieb spurlos verschwunden. Vielleicht, versuchte ich mir Hoffnung zu machen, entdecke ich es von der Fahrerseite aus und rannte wie ein trauriges Schulmädchen ums Auto. Und als ich die Tür aufschloss sah ich es doch tatsächlich.

Es lag auf meinem Autodach, mein schwarzes Portemonnaie auf meinem bordeaux-rotem Autodach. Ich muss es nach dem Fitnessstudio, um die Hände frei zu bekommen, auf das Dach gelegt und dabei etwas unter die Reling geklemmt haben. Die ganze Zeit war es direkt bei mir.
26,10h; 48 km und mindestens 500 Menschen gingen vorbei. Aber mein Portemonnaie blieb mir treu.

Inhalt: 0 Euro (Dauerzustand), 2 Geldkarten
            2 Kreditkarten
            Führerschein
            Personalausweis
            Versicherungskarte
            Studentenausweis
            Bibliotheksausweis
            Fitnessausweis
            Videothekenausweis
            Wohnungsunion-Mitgliedsausweis
            Blutspendeausweis