Grenzenlos war sie, schon bevor mein Verstand mich küssend weckte. Grenzenlos wird sie sein, wenn der duftende Garten, der mich umhüllt, verblüht.
Als ich mich noch selbst suchte, musste sie mit mir klar kommen. Jetzt bin ich derjenige, der sich vor ihr verbeugt und wie ein stiller Tropfen in ihren Fluten schwimmt. Doch ist und war mein Wille stets frei. Ihre Wellen trieben mich an verschiedene Orte, doch welche Welle ich nahm, lag stets in meiner Hand. „Sie ist grenzenlos“, flüsterte ich und tauchte so tief wie ich wollte, schwamm mit dem wärmenden Sonnenschein oder durch den tosenden Sturm, indem selbst unsinkbares schon unterging. Sie präsentierte ihre Möglichkeiten und ich wählte. Ich durfte in ihr einfach sein.
Doch seit ich dich sah, fühle mich einsam, kalt und unendlich leer. Ich weiß, ich fühle es, sie ist grenzenlos, doch bin ich in ihr wirklich frei? Was bringt mir ihre Grenzenlosigkeit, wenn ich in ihr auf Grenzen stoße? Fühle ich mich vielleicht nur gefesselt frei? Ist sie nur ein Schleier, der meine Augen sanft umhüllt? Sie zeigt mir ihre Unendlichkeit, doch ist diese Freiheit für das Greifen zu weit entfernt. Ich glaube sie umgarnte meinen Verstand, so dass ich sie nie wirklich sah.
Denn immer wünschten sich mein Herz, mein Körper und meine Seele einzeln etwas von ihr. Dieses Mal haben sie alle nur einen, den gleichen Wunsch. Doch sie möchte ihn nicht erfüllen. Obwohl ich weiß, sie kann es. Sie ist grenzenlos, sie ist unendlich, sie ist frei. Sie spürt meinen Schmerz, spürt die Trauer und sieht die Wut, die ich auf sie habe. Doch sie bleibt stur.
„Du kannst nicht zu ihr“, brüllte sie mich an. Aber alles was ich möchte und jemals erhoffe von ihr, finde ich doch in dir. Und ohne dich bin ich in ihr einsam, verloren und kurz vorm Erfrieren. Sie ist plötzlich viel zu groß für mich allein und dennoch kann ich nicht bei dir sein. Ich tobe und schreie:
„Warum, warum geht es nicht, warum, ich verstehe es nicht? Du bist doch meine Welt. Warst immer für mich da. Warum geht es nicht, warum, ich verstehe es nicht.“
Tausende von Wellen öffnet sie dann wütend vor mir, doch keine treibt mich nur annähernd zu dir. Ich versuche zu tauchen, zu schwimmen doch du bleibst immer unendlich weit entfernt. Bei all meiner Entscheidungsmacht, die Möglichkeit zu dir zu kommen liegt plötzlich bei ihr, also grenzenlos fern. Denn diese Welt, meine Welt, will es nicht. Sie lässt mich nicht. Ich schließe meine Augen, verdränge sie aus mir. Jetzt atme ich. Jetzt denke ich und sehe dich. Du bist das, was mein Leben will, was mein Leben braucht, was gut für mich ist. Auch dein Leben will doch nur mich. Warum sieht diese, meine Welt, es einfach nicht? „ Warum geht es nicht, warum, ich verstehe es nicht?“ Meine Welt verliert mich doch dadurch nicht. Ganz im Gegenteil sie würde dich dazu gewinnen. Wir würden sie bereichern und sei es nur um ein sehr winziges kleines Stück. Unsere Liebe würde die Welt von innen erwärmen, unsere Freude sie zum Lachen bringen und unsere Sehnsucht ihr neue Flügel und Möglichkeiten verleihen. Zusammen würden wir die Grenzen ihrer Grenzenlosigkeit noch ein wenig weiter treiben. Dennoch geht es nicht in dieser, meiner Welt. Sie will es einfach nicht. Ich weiß es nicht wieso, ich verstehe es nicht.